Strategy Deep Dive

We're all in this together: Wie wichtig der Einfluss des Fußballs für homosexuelle Jugendliche (und Erwachsene) ist.

Zusammenfassung - das treibt uns an: 
Warum Fußball so wichtig für die Rechte aller Homosexueller ist - We're all in this together:

Die Spieler befinden sich in einem Teufelskreis: Damit sich etwas ändert, müssten sich die Spieler äußern, aber aufgrund der starken Diskriminierung entsteht so viel Angst und Stress, dass dies nicht möglich ist. Wir wollen diesen Teufelskreis durchbrechen, indem wir die Spieler zusammen bringen, sie stark machen und so in die Lage versetzen ihre Situation zu verbessern und ein besseres Leben zu führen - das motiviert uns!

Das treibt uns zusätzlich an: 

Die Profis haben eine Vorbildfunktion. Daher ist es uns wichtig, dass homosexuelle Profis sichtbar sind, um homosexuellen Jugendlichen Mut zu machen und Vorurteile zu bekämpfen, bevor daraus homophobes Mobbing entstehen kann! 

Der Einfluss des Fußballs auf Jugend und Gesellschaft ist groß! Daher wollen wir beim ersten Gruppencomingout nicht die Gelegenheit verstreichen lassen, das enorme Interesse einzusetzen, um auf die weit verbreitete, aber kaum beachtete Diskriminier-ung Homosexueller aufmerksam zu machen und diese somit einzudämmen. 

Deshalb finden wir es so wichtig an diesem Thema zu arbeiten: So können wir Problemaufmerksamkeit, Solidarität und Akzeptanz steigern und fast einer Million homosexuellen Jugendlichen aber auch den Erwachsenen und den Spielern ein besseres Leben zu ermöglichen. - We're all in this together! 

Dabei muss es eine gute Balance zwischen dem Thema (Homosexualität im Fußball) an sich und der Aufklärung über das dahinterliegende Problem Homophobie geben. (Ohne Aufklärung über die Probleme könnten wir gar nicht die Situation der Profis so verbessern, dass Sie sich outen können.)

Die große Mehrheit sagt, dass die Gesellschaft Homosexuelle akzeptieren sollte, weiß aber nicht wie schlimm die Probleme (u. a. über 100 Selbstmorde homo- und bisexueller Jugendlicher und junger Erwachsener pro Jahr) sind und solidarisiert sich deshalb nicht. Das eigentliche Problem ist also mangelnde Problemaufmerksamkeit.

Je mehr Menschen also auf die Probleme aufmerksam werden, desto mehr Solidarität und Unterstützung können wir schaffen, um homosexuellen Jugendlichen zu helfen, aber auch allgemein mehr Akzeptanz im Alltag zu schaffen!

Wenig Zeit?

Lesen sie die Zusammenfassungen am Ende der Abschnitte, oder:

Direkt zur Strategie von GayPlayersUNITE springen.

(Sicherheitshinweis: warum wir von einem Coming out zurzeit abraten.)

I. Das Problem Homophobie

- deshalb wollen wir JETZT handeln!

Betrachten wir zunächst das Problem Homophobie qualitativ und quantitativ. Die Liste ist ungefähr nach Schwere der Diskriminierung geordnet (Trigger-Warnung: thematisiert Suizid):

  • ca. 120 homo- und bisexuelle Jugendliche und junge Erwachsene nehmen sich aufgrund von Diskriminierung jedes Jahr das Leben. Auch sind sie 45% seltener glücklich als ihre heterosexuellen Mitschüler

  • ca. 1381 Homo- und Bisexuelle könnten jedes Jahr noch leben, doch sie werden durch Diskriminierung in den Selbstmord getrieben :( (über 55000 seit 1980) -weltweit hochgerechnet, sind so seit 1980 mind. 6,1 Millionen Opfer zu beklagen!

  • ca. 27620 Selbstmordversuche pro Jahr durch Homo- und Bisexuelle in Deutsch-land aufgrund von Diskriminierung :( (das sind über 1 Millionen seit 1980) 

  • ca. 1,45 Millionen Homosexuelle in Deutschland hatten bereits Suizidgedanken. Depressionen bzw. psychische Belastung durch Diskriminierung sind verbreitet

  • Nicht nur Spieler müssen sich verstecken: ca. 1,42 Millionen Homosexuelle müssen sich in Deutschland an ihrem eigenen Arbeitsplatz verstecken, aus Angst ausgegrenzt und diskriminiert zu werden. Dabei müssen sie nicht selten ausgrenzende und beleidigende Sprüche über Homosexuelle ertragen.

  • Ebenso sind Millionen von Schülern, Studenten, Familienmitgliedern, Vereins- und Kirchenmitgliedern nicht geoutet! Ein Gefühl der Ausgrenzung und Einsamkeit entsteht, Freundschaften können so schwierig entstehen. Trotz-dem muss der zufriedene Kollege / Mitschüler / Kommilitone gespielt werden.

  • Bei der Annahme, dass jeder Homosexuelle bei 5 Personen nicht out ist, sind in Deutschland bereits 20,5 Millionen Beziehungen betroffen! 

  • ca. 123000 Homosexuelle wurden von ihren Eltern verstoßen 

  • ca. 615000 Homosexuelle wurden bereits angegriffen (davon 205000 schwer)

  • Ich erspare es ihnen die Liste mit den weniger schweren Benachteiligungen wie Beleidigungen oder mithören von ausgrenzenden Sprüchen fortzusetzen.

alle Quellen, Hochrechnungen und Annahmen: siehe Anhang.

Insgesamt ist damit die Menschenrechtssituation von Homosexuellen in Deutschland deutlich schlechter als die der Heterosexuellen. Auch im Vergleich zu anderen Minderheiten sieht es sehr schlecht aus: Kaum eine bis gar keine andere Minderheit wird in Deutschland so heftig diskriminiert, dass sie eine erhöhte Selbstmordrate aufweist. Eine Ausnahme bilden hier Transgender und weitere queere Minderheiten, die noch stärker diskriminiert und ausgegrenzt werden. Die besondere Schwere der Homophobie wird darin sichtbar, dass sie JEDEN Lebensbereich umfasst und nicht nur einzelne Teilbereiche: Familie, Freunde, Arbeitsplatz, Öffentlichkeit. Es entsteht bei einigen Betroffenen ein Gefühl der 360° Ausgrenzung und Resignation. 

Zusammenfassung: Die Probleme sind gravierend (u.a. zehntausende Selbstmordversuche pro Jahr). Wie kann das sein?

II. Die Ursachen des Problems

- zu wenig Solidarität!

Um die gesellschaftliche Entwicklung der Homophobie zu verstehen, muss man die verschiedenen relevanten Typen (homophobe, solidarische und gleichgültige Menschen) verstehen und quantifizieren.

Solidarität in dieser Gesellschaft: ca. 0-5% (möglicherweise auch mehr):

Die vielleicht überraschendste Erkenntnis dieses Deep Dives: Echte Solidarität gegen Homophobie ist sehr schwach ausgeprägt!  Und sie ist deutlich geringer als bei den anderen Minderheiten! Das ist die bahnbrechende Erkenntnis einer Studie der Antidiskriminierungsstelle (Seite 50). Dieser Studie zur Folge sind nur 5% der Menschen der Auffassung, dass für Homosexuelle sehr viel mehr getan werden sollte. Zieht man von diesem Wert noch den Anteil der Homosexuellen ab, die selbst gesagt haben, dass sehr viel mehr getan werden sollte, sieht es sehr düster aus! Ohne Solidarität sind Homosexuelle den Homophoben dieser Gesellschaft nämlich relativ schutzlos ausgeliefert:

Homophobie in dieser Gesellschaft: ca. 10-22%

Glaubt man den Angaben der Umfrageteilnehmer, sind "nur noch 10%" der Bevölkerung homophob (Quelle). Allerdings trauen wir dieser Zahl nicht so ganz. Denn 22% der Schwulen werden für ihre Homosexualität von ihren Eltern nicht akzeptiert (Quelle, Zeile 18 für Germany, Spalte CL). Da kann es doch mit der Akzeptanz nicht so weit her sein wie behauptet. Der Anteil homophober Menschen in dieser Gesellschaft ist also wahrscheinlich zwischen 10 und 22 Prozent einzuordnen.

Natürlich gibt es viele Erklärungsmodelle, um Homophobie zu erklären. Homophobe Menschen nennen oft Argumente wie Homosexualität sie unnatürlich,  nicht männlich (oder weiblich), nicht mit Gott zu vereinbaren oder verstoße gegen die Tradition. Oder die Probleme (oben) werden klein geredet und es wird so getan als würden diese überhaupt nicht existieren.  Die Liste der Argumente, warum alles nicht so schlimm sei, ist beinahe beliebig lang.

Hinter diesen Einstellungen steckt unserer Meinung nach ein Muster, dass man als Hetero-Narzissmus bzw. Hetero-Egozentrik beschreiben kann. Die eigene sexuelle Orientierung wird von homophoben Menschen als einfach besser und im Zentrum des Universums erlebt. So ist es auch zu erklären, dass es für diese Menschen wenig anstößig ist, dass homosexuelle Spieler sich verstecken müssen, aber ihnen klar wäre, dass es rassistisch wäre, wenn keine Migranten in der Bundesliga spielen würden. (Weil diese Menschen ihre Herkunft nicht als inhärent besser erleben, können sie den Rassismus erkennen.)

Die hauptsächliche Ursache für Homophobie (oder eine der Hauptsachen), ist jedoch geringe Solidarität:

Gleichgültigkeit gegenüber Homophobie in dieser Gesellschaft: ca. 63 - 90%

Zieht man von 100%  die Häufigkeit von Homophobie und Solidarität in dieser Gesellschaft ab sieht man, dass 63 bis 90% der Gesellschaft dem Problem Homophobie an sich relativ gleichgültig entgegen steht.

Zusammenfassung: 5% Solidarische stehen 10-22% Homophoben gegenüber. Das schlechte Kräfteverhältnis erklärt das Ausmaß der Homophobie. Warum dies so ist, wird im nächsten Abschnitt erklärt:

III. Die Lösung des Problems:

- warum Solidarität absolut entscheidend ist!

Hans ist schwul. Er traut sich nicht, sich in seiner Klasse zu outen. Obwohl er die Statistiken aus Abschnitt II nicht kennt, weiß er instinktiv: Wenn mich hier jemand mobben möchte, dann wird das für ihn wenig Konsequenzen haben. Ich bin "Freiwild". Woher Hans das weiß? Er hat schon viele Male mitbekommen, dass schwulenfeindliche Sprüche gebracht worden sind, ohne dass jemand dagegen etwas sagt. Eigentlich hat noch nie jemand was dagegen gesagt...

Erklärung: Wenn sich jemand überlegt, ob er etwas Diskriminierendes tun oder sagen sollte, wägt er unterbewusst die Vor- und Nachteile ab. Habe ich bei diesem diskriminierenden Spruch die Lacher auf meiner Seite, oder beschwert sich jemand bei mir oder beim Chef / beim Lehrer? Wenn ich Homosexuelle bedrohe oder körperliche Gewalt einsetze, bin ich dann bei meinen Freunden unten durch? Oder ist es ihnen gleichgültig? Erst wenn das Risiko relativ gering ist, dafür in Schwierigkeiten zu kommen, wird sich dafür entschieden, zu diskriminieren.  "Das Risiko in Schwierigkeiten zu kommen" ist ein anderes Wort für Solidarität! Es gibt also einen relativ engen Zusammenhang zwischen Homophobie und Solidarität: Je mehr Solidarität, desto weniger Homophobie (und umgekehrt). Um die Schwere der Homophobie zu erklären, muss man nur das Verhältnis zwischen homophoben und solidarischen Menschen bilden: In Deutschland stehen ca. 20% homophoben Menschen 5% solidarische Menschen gegenüber (siehe vorheriger Abschnitt). Die Übermacht der Homophobie beträgt also 4 zu 1 oder anders gesagt: Das ist einfach ein extrem unfairer Kampf!

 

Zusammenfassung: Deshalb ist Solidarität so absolut entscheidend: Wenn sie fehlt, sind homosexuelle Menschen "Freiwild". Gibt es Solidarität, können homosexuelle Menschen sich sicher fühlen. 

IV. Das eigentliche Hauptproblem?

- mangelndes Problembewusstsein!

Es gibt Hoffnung! Denn ca. 89% der Menschen in Umfragen antworten, das Homosexualität gesellschaftlich akzeptiert sein sollte (Quelle)! Die meisten Menschen akzeptieren Homosexuelle also.  Natürlich meint es von den 89% nicht jeder ernst. Wenn man bedenkt, dass 22% ein Problem damit haben, dass ihr Sohn schwul ist (Quelle, Zeile 18 für Germany, Spalte CL), ist das keine besonders akzeptante Einstellung. Der reale Wert ist also eher in der Nähe von 78% (also 100%- 22%) einzuordnen.

78% der Menschen sind also für gesellschaftliche Akzeptanz, aber nur 5% (siehe Abschnitt II) solidarisieren sich aktiv. Wie kann das sein? Wie kann eine Person gleichzeitig angeben Homosexualität sollte gesellschaftlich akzeptiert werden und sich gleichzeitig nicht solidarisieren? Das lässt sich nur damit erklären, dass die Befragten glauben, es gäbe kaum noch Diskriminierung und nicht um die gravierenden Probleme (Suizide, Angriffe, Ausgrenzung) wissen.

Die meisten Personen in Deutschland akzeptieren Homosexuelle also, aber denken, dass Homophobie kein großes Problem mehr darstellt und solidarisieren sich deshalb nicht.

(Und wenn Sie mir das nicht glauben, dann fragen Sie mal ihre Freunde wie stark Homophobie in Deutschland ausgeprägt ist. Sie werden sicherlich nicht die Liste aus Abschnitt I hören, sondern in ratlose Gesichter blicken, weil wirklich kaum jemand die Probleme kennt.)

Zusammenfassung: Die große Mehrheit sagt, dass die Gesellschaft Homosexuelle akzeptieren sollte, weiß aber nicht wie schlimm die Probleme sind und solidarisiert sich deshalb nicht. Das eigentliche Problem ist also mangelnde Problemaufmerksamkeit. Je mehr Menschen auf das Problem aufmerksam werden, desto mehr Solidarität können wir schaffen!

V. Die Lösung: 

- warum Fußball maximale Problemaufmerksamkeit schaffen kann!

Hier kommen wir zum vielleicht interessantesten Teil. Problemaufmerksamkeit zu schaffen ist sehr schwer. Zitat Srdja Popovic (immerhin am Sturz von Milosovic beteiligt): "Den Leuten geht ihr Thema ausnahmslos und garantiert am Arsch vorbei". Warum sollten sich Heterosexuelle mit den Problemen von Homosexuellen auseinandersetzen? Haben wir nicht alle schon selbst genug Probleme? Das ist richtig. Es ist sehr ineffektiv die Menschen mit einem Thema zu behelligen, das sie nicht interessiert, denn die Menschen werden dann sehr schnell das Weite suchen!

Zum Glück ist das Thema Homosexualität im Profifußball ein Thema, dass die Menschen stark interessiert (sehen Sie z.B. die Berichterstattung zu Gay_Bundesligaspieler oder Hitzlspergers Coming out). Wir wollen nicht einfach nur das erste Gruppencomingout umsetzen, sondern die enorme Aufmerksamkeit des Themas positiv für diese Gesellschaft nutzen! Es motiviert uns, auf diesem wichtigen Gebiet Fortschritte zu erzielen! Da das Thema die Menschen interessiert, werden uns viele ihre Aufmerksamkeit schenken - diese Gelegenheit zu helfen möchten wir nicht verstreichen lassen! Denn so können wir MILLIONEN auf die Probleme hinweisen, um die Solidarität zu steigern und so die Lage der Spieler und der Homosexuellen in dieser Gesellschaft nachhaltig zu verbessern. 

Es geht also weder darum, die Leute allzu sehr mit dem Problem Homophobie zu behelligen, (dann würden die Leute das Weite suchen) noch darum, den Leuten nur das Thema Homosexualität im Profifußball zu geben, ohne dabei auf die dahinterliegenden Probleme hinzuweisen (dann könnten wir gar nicht die Situation der Profis so verbessern, dass Sie sich outen können). Es geht um eine faire Balance! Nur das ist eine Win-Win Situationen und langfristig stabil.

Natürlich ist Fußball auch gerade aufgrund der Vorbildfunktion wichtig für die Rechte jugendlicher Homosexueller, denn sehr viele Schüler schauen zu den Profis herauf, diese haben oft mehr Einfluss auf die Jugend als die Lehrer! Wird Homosexualität im Profifußball tabuisiert, verstärkt dies schnell Vorurteile (Schwule seinen anders und schwach), die dann wiederum Mobbing begünstigen. Auch die zukünftigen Profis sind jetzt gerade Schüler, damit sie sich später ohne Angst outen können, ist es gut, wenn sie schon jetzt Akzeptanz erfahren. Das treibt uns bei GayPlayersUNITE an!

Zusammenfassung: Wir können über das Thema Homosexualität im Profifußball massive Problemaufmerksamkeit schaffen. Dabei muss es eine faire Balance zwischen dem Thema an sich und der Aufklärung über das dahinterliegende Problem Homophobie geben.

VI. Warum die Spieler sich nicht outen können:

-Analyse eines Teufelskreises

Jetzt wo geklärt ist, dass Homosexualität im Profifußball auch für den gesellschaftlichen Fortschritt wichtig ist, wenden wir uns dem Problem von GayPlayersUNITE zu, dass wir lösen müssen, um die Situation der Spieler konkret zu verbessern. 

Das Grundproblem ist ein Teufelskreis:

Warum sich die Spieler äußern müssten, aber es nicht können:

Der Gründer von GayPlayersUNITE berät Gay_Bundesligaspieler schon seit einiger Zeit. Durch diese Erfahrung und durch Studium vergangener Coming outs im Fußball wurde über die Zeit immer mehr klar, wie die einzelnen Akteure (Fans, Vereine, DFB, Medien) agieren.

Veränderung wird viel eher gewagt, wenn das Thema auch eine mediale Aufmerksamkeit genießt. Die Medien und Fans schaffen diese Aufmerksamkeit dann, wenn sich ein schwuler Profi konkret äußert. Alles steht und fällt also mit den Spielern. DAMIT diese sich aber frei äußern können, ohne diskriminiert zu werden, müsste sich aber erstmal etwas ändern. Erkennen sie den Teufelskreis? (Falls nicht lesen Sie den Absatz nochmal ;)

Teufelskreis: Warum die Spieler selbst zu gestresst sind, sich anonym zu äußern:

Weil die Folgen eines unvorbereiteten Coming outs für Spieler schlimm sein können: Ausgrenzung von Familie oder Freunden oder innerhalb der Mannschaft ist nicht ausgeschlossen. Dazu kommt noch das Risiko vielleicht einen Anschlussvertrag zu verpassen und damit den Verlust des Lebenstraums Fußball und des Einkommens. Der Lebenstraum, an dem die Spieler seit Jahrzehnten gearbeitet haben! Auch wenn Sie diese Risiken vielleicht nicht besonders groß einschätzen, überlegen Sie mal:

Wenn auch nur das geringste Risiko bestände, dass Sie ihren Job und Lebenstraum verlieren, wenn ein Geheimnis an die Öffentlichkeit gerät, würden sie dies einer fremden Person (die ein Gruppencomingout koordinieren möchte) mitteilen? Eben.

So erklärt sich auch, dass selbst das anonyme Twittern Gay_Bundesligaspielers nicht zu der erhofften Domino-Reaktion geführt, dass immer mehr Spieler anfangen zu twittern. Warum? Selbst sich anonym zu äußern, stellt für die Spieler eine enorme Stressbelastung da! (Das hat Gay_Bundesligaspieler ja selbst in seinen Tweets festgehalten.) Mit jedem Tweet ist auch die Angst da, zu viel von sich preiszugeben und am Ende vielleicht doch identifiziert zu werden. Auch das Fluter-Interview mit einem schwulen Profi hat die hohe Stressbelastung selbst bei anonymen Äußerungen bestätigt. Die Spieler sind durch ihre enorme Diskriminierung eh schon sehr gestresst und belastet, die weitere Stressbelastung sich anonym zu äußern kann meist nicht geleistet werden. Ein echter Teufelskreis also!

Dies müssen wir respektieren! Daher bleiben die Spieler bei GayPlayersUNITE jederzeit zu 100% anonym. Und deshalb arbeitet GayPlayersUNITE vor dem Coming out der Spieler an einer weiteren Enttabuisierung des Themas Homosexualität im Profisport, um das Coming out sicher zu machen.

Warum ein Coming out keine Lösung aus dem Teufelskreis ist und warum wir zurzeit von einem Coming out abraten:

Nun, wie kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden? Viele haben gedacht, es müsste nur einer den Anfang machen. Aber der erhoffte Domino-Effekt, dass ein Spieler den Anfang macht sich zu outen und dann weitere Spieler nachziehen, ist ausgeblieben, Hitzlspergers Coming out hat das gezeigt - leider. Wir denken, dass einer der wichtigsten Gründe dafür Abschreckung ist. Vor Hitzlspergers Coming out haben Spieler nur vermutet, wie groß die mediale Reaktion ist. Nun hatten sie die Bestätigung und Hitzlsperger war ja noch nicht mal ein aktiver Profi. Alleine deshalb raten wir zum jetzigen Zeitpunkt auch von Coming outs ab, denn es muss erst sicher gestellt werden, dass das Thema genügend enttabuisiert ist, damit kein medialer Sturm entsteht, der dann wiederum andere Spieler abschreckt!

Außerdem sehen wir nur durch ein Coming out keine nachhaltige Enttabuisierung gegeben, denn der betroffenen Spieler würde ja nicht ständig Fragen zu dem Thema seiner Homosexualität beantworten wollen. Nachhaltige Enttabuisierung ist aber notwendig, damit sich Spieler langfristig immer mehr Spieler outen können.

Zusammenfassung: Nur wenn wir zuerst enttabuisieren und sicher stellen, dass die Antidiskriminierungsrechte der Spieler optimal befolgt werden, können wir Diskriminierung des Spielers (zum Beispiel im Stadion oder durch übertriebene, erdrückende Berichterstattung) nach seinem Coming out verhindern. Und das ist auch dringend nötig, um andere Spieler nicht abzuschrecken! Deshalb könnte ein Coming out zum jetzigen Zeitpunkt die ganze Sache zurück werfen, anstatt für Fortschritt zu sorgen. Dies möchten wir vermeiden und zuerst ein sicheres Coming out sicherstellen. Deshalb raten wir von einem Coming out zurzeit dringend ab! Wer ein Coming out plant, dem empfehlen wir sich zunächst von GayPlayersUNITE anonym beraten zu lassen (Kontakt). (Wer sich trotz unserem deutlichen Abraten outen möchte, sollte dabei bitte auf das Problem von Mobbing und erhöhter Suizidrate homosexueller Jugendlicher hinweisen.)

VII. Die Lösungsstrategie von GayPlayersUNITE

- wie wir den Teufelskreis durchbrechen und das Gruppencomingout umsetzen

Der Einfluss des Fußballs auf Jugend und Gesellschaft ist groß! Daher wollen wir beim ersten Gruppencomingout nicht die Gelegenheit verstreichen lassen, das enorme Interesse einzusetzen, um auf die weit verbreitete, aber kaum beachtete Diskriminierung homosexueller Jugendlicher und Erwachsener aufmerksam zu machen und diese somit einzudämmen. Das treibt uns zusätzlich an. 

Wir richten uns ganz nach den Spielern, denn an ihnen steht und fällt alles (selbst ein Stück die Situation aller Homosexueller)!

Wir wissen (siehe vorheriger Abschnitt), welche Probleme den Spielern im Weg stehen, um sich zu outen. Daher haben wir bei GayPlayersUNITE drei Ziele, um das Gruppencomingout erfolgreich und sicher umzusetzen:

  • Durch unser Betreuungsangebot (siehe unten) und indem wir möglichst viele Spieler versammeln, wird der Druck vom einzelnen Profi reduziert.

  • Um den immensen Druck zu nehmen, der auf den Spielern lastet, wird gemeinsam mit den Funktionären des Fußballs darauf geachtet, dass das Thema schon vorher in der Öffentlichkeit enttabuisiert wird.

  • Es wird erwirkt, dass die Spieler optimal durch die Anti-Diskriminierungsrechte geschützt sind.

Unsere Lösung des Teufelskreises der Profis

Um möglichst viele Spieler zu versammeln, bietet GayPlayersUNITE eine zentrale, anonyme Anlaufstelle, um die Spieler zu versammeln. (Ohne eine Sammelstelle wäre es logischerweise unmöglich ein Gruppencomingout zu koordinieren.)

Auch wissen wir (siehe vorheriger Abschnitt), dass die Spieler durch ihre Situation zu gestresst sind, sich zu outen oder anonym auf Twitter zu äußern. Dies aber wäre notwendig, um etwas zu verändern und auf ihre Situation aufmerksam zu machen.  Daher gehen wir einen Schritt zurück: Anstatt die Spieler durch anonyme Äußerungen oder Coming out noch weiter zu belasten, möchten wir die Spieler zusammen bringen und stärken, damit sie stark genug sind sich gemeinsam gegen ihre Diskriminierung zu äußern! Um die Spieler über GayPlayersUNITE zu informieren, nutzen wir verschiedene Ansätze (siehe Konzept). Da bekannt ist, wo die Spieler trainieren, ist es eine gut lösbare Aufgabe, diese zu informieren.

Dann nutzen wir gleich vier Ansätze, um die Spieler in Phase I zu stärken, wie sie im Konzept nachlesen können. Starke Spieler schaffen dann die Voraussetzung für Phase II. Nun sind die Spieler stark genug um anonym zu twittern, um zu enttabuisieren, damit das Interesse und der mediale Druck Stück für Stück abnimmt und die Antidiskriminierungs-rechte der Spieler optimiert werden (Details siehe Konzept). Das heißt: Wir setzen die Diskriminierung (erhöhte Aufmerksamkeit aufgrund des Tabus) taktisch ein, um die Diskriminierung  zu bekämpfen (Aufmerksamkeit wird genutzt, um Situation zu verbessern). 

Über die Reaktionen darauf durch das private Umfeld und das Vereinsumfeld kann auch eingeschätzt werden, wie hoch das Risiko eines Coming outs hier ist und der Profi kann sich an die medialen Reaktionen gewöhnen. Dadurch, dass wir die Spieler verifizieren, kann der Spieler ein realistisches Bild der medialen Reaktionen gewinnen. Weitere öffentlichkeitswirksame Aktionen zur Enttabuisierung und zur Stärkung der Antidiskriminierungsrechte der Spieler werden durchgeführt. Das wiederum ist dann die Voraussetzung für die Phase III (Durchführung des Gruppencomingouts, Details siehe Konzept). Schritt für Schritt können wir so unserem Ziel näher kommen. Nach dem ersten Coming out wird GayPlayersUNITE genügend Bekanntheit erlangt haben, um auch in Zukunft Coming outs vorzubereiten und sich für die Rechte der Spieler stark zu machen. Spätestens dann wird unser Beispiel Schule machen und sich immer weiter international ausbreiten. Und das wird alles verändern!

Zusammenfassung: Die Spieler sind durch ihre Diskriminierung zu belastet, um zu twittern und ihre Lage zu verbessern. Daher wollen wir die Spieler zunächst stärken.  GayPlayersUNITE ist die Lobby und anonyme, zentrale Sammel- und Beratungsstelle, die notwendig ist, um die Spieler zu versammeln und das erste Gruppencomingout umzusetzen. Weitere Infos in unserem Konzept.

Anhang:

Grundsätzliche Annahmen: Anteil der Homosexuellen an der Bevölkerung: 5% * 82 Millionen Bevölkerung Deutschlands = 4,1 Millionen Menschen.

  • 300% fache Suizidrate: Quelle, Anzahl der Selbstmorde Jugendlicher und junger Erwachsener Quelle, geschätzter Anteil homosexueller und bisexueller Jugendlicher und junger Erwachsener: 10%, vom Faktor 300% sind 100% abgezogen, denn 100% sind die üblich zu erwartenden Selbstmorde, die nicht Homophobie zugerechnet werden sollten. Berechnung: 600*2*0,1=120,
    zweite Quelle "67% of straight youth describe themselves as happy but this number drops to 37% among LGBT young people;", Berechnung: 1- (37%/67%)

  • 247% fache Selbstmordrate von Homo- und Bisexuellen insgesamt: Quelle ("pooled risk ratio for lifetime risk 2.47"), Selbstmorde pro Jahr in Deutschland: 9396 Quelle, geschätzter Anteil an Homo- und Bisexuellen an der Gesamtbevölkerung: 10%, vom Faktor 247% sind 100% abgezogen, denn 100% sind die üblich zu erwartenden Selbstmorde, die nicht Homophobie zugerechnet werden sollten. Berechnung: 1,47*9396*0,1=1381
    Anzahl der Suizide weltweit pro Jahr: 762000
    Quelle, geschätzter Anteil an Homo- und Bisexuellen an der Gesamtbevölkerung: 10%, 40 Jahre seit 1980, Annahme das die Suizidgefahr bei 300% liegt, da Diskriminierung früher und in anderen Länder stärker war, vom Faktor 300% sind 100% abgezogen, denn 100% sind die üblich zu erwartenden Selbstmorde, die nicht Homophobie zugerechnet werden sollten, Berechnung: 762000*40*0,1*2, nicht einberechnet sind Morde an Homosexuellen und Verwehrung medizinischer Hilfe, was besonders bei der Anfangs schleppenden Erforschung von HIV-Medikamenten zum tragen kam (denn es "traf ja nur Homosexuelle"), sodass die reale Zahl deutlich höher liegen dürfte! 

  • 20 fach mehr Suizidversuche als vollendete Suizide: Quelle, Berechnung: 20*1381 = 27620 Suizidversuche pro Jahr von Homo- und Bisexuellen

  • 35% (34,97%) der Homosexuellen hatten Suizidgedanken QuelleAnnahme: Suizidgedanken bei Schwulen und Lesben gleich häufig, Annahme: 5% der Bevölkerung von Deutschland (83 Millionen) homosexuell, Berechnung 83000000*0,05*0,3497= 1451255

  • nur 37% sind am Arbeitsplatz geoutet Quelle, Anzahl der Arbeitnehmer in Deutschland 45,13 Millionen, QuelleBerechnung: 45,13*0,05*(1-0,37)= 1.421595 Millionen, Annahme: 5% der Bevölkerung ist homosexuell

  • Anzahl der betroffenen Beziehungen: hierbei handelt es sich um eine Beispielrechnung basierend auf der Annahme, dass jeder Homosexuelle bei fünf Personen nicht geoutet ist. Dies kann nur geschätzt werden, da dies von der subjektiven Definition von "Beziehung" abhängt. Berechnung: 82000000*0,05*5 = 20500000

  • von Eltern verstoßen: Quelle (Zeile 18 für Germany, Spalte CM), Berechnung: 82000000*0,05*0,03 = 123000, Annahme: dies ist bei Schwulen und Lesben gleich häufig

  • Angriffe auf Homosexuelle: Quelle (Zeile 18 für Germany, Spalte DL und DP), Berechnung 1: 82000000*0,05*0,15 = 615000, Berechnung 2: 82000000*0,05*0,05 = 205000, Annahme: Angriffe auf Schwule und Lesben gleich häufig.

 
 
 
 
 

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